Presseecho

2004

Neu-Ulmer Zeitung vom 17. April 2004

Ein Refugium für die Natur

Am Plessenteich brütet schon das erste Flussseeschwalbenpärchen – Nutzungskonzept

Neu-Ulm (grr). „Die Sache lässt sich gut an“, freuen sich die Leute vom GAU, der Schutzgemeinschaft für den Neu-Ulmer Lebensraum. Kaum haben sie den Plessenteich am Gerlenhofer Ortsrand erworben und ein Nistfloß auf dem Wasser festgemacht, schon hat sich dort ein Flussseeschwalbenpärchen niedergelassen. Nun hoffen alle auf ähnlich schnellen Erfolg an der neu aufgeworfenen Erdwand für die Uferschwalben.

Den GAU-Verantwortlichen stehen Freude und Genugtuung ins Gesicht geschrieben, wenn sie vom Plessenteich schwärmen. „Endlich ein eigenes großes Gewässer, an und in dem wir der Natur zu ihrem Recht verhelfen können, ohne ständig andere Leute um Erlaubnis fragen zu müssen“. Im Gegenteil – sie können nun sogar ungebetene Nutzer von ihrem Besitz fernhalten.

 
Kaum hat der GAU auf dem Plessenteich ein Nistfloß verankert, hat sich schon das erste Flussschwalbenpärchen niedergelassen. Zwei Eier brüten die Vögel derzeit aus. Bild: Ranft

Dennoch wollen (und können) sie den See für Naturliebhaber nicht dicht machen, auch nicht für Bade- und Sonnenfreunde. Rechtzeitig zu Beginn der Freiluftsaison soll abgesteckt sein, an welchen Stellen am Plessenteich weiterhin Picknick und Baden möglich sein werden. „So viel steht fest“, sagt GAUBiologe Wolfgang Gaus, „das wir den Plessenteich nicht einzäunen und auch nicht mit Verbotsschildern zupflastern werden“. Für Besucher frei zugänglich bleibt die südöstliche Uferzone längs des Sträßchens von Gerlenhofen hinüber in Richtung des Weilers Marbach. „Doch auch dort sollen künftig keine großen Freiluftfeste mehr stattfinden“.

Um dies Ziel zu erreichen und den Gästen vor allen Dingen Naturerlebnis zu ermöglichen, sollen die Besucher fast unbemerkt gelenkt werden. An manchen Stellen werden Sträucher angepflanzt, so dass dort nicht mehr gelagert werden kann. An anderem Ort wird eine große Pappel gefällt, um dort den Zugang zum Wasser zu versperren. „Lieber wäre uns, der Biber vom benachbarten Trucksäßsee machte den Baum um“.

Zwei Eier im Geröll

In bestimmten Bereichen werden die Uferstreifen so verändert, dass es keinen Spaß mehr macht, dort zu liegen und zu feiern. Der größte Teil des Plessenteichs allerdings bleibt Badegästen versperrt. Dort soll allein die Natur ihr Refugium erhalten. Dass dieses Konzept aufgeht, belegen die Flussseeschwalben. Die mit Kieselsteinen belegte schwimmende Insel im Nordwestteil des Sees musste nur grad eine Woche auf seine gefiederten Bewohner warten. Mittlerweile liegen zwei Eier im Geröll.

„Kiesbänke in Flüssen oder an Seen“ erläutert Gaus, „auf denen die Flussseeschwalbe brütet, sind selten geworden“. Deshalb die künstliche Nistinsel im See, die auch sofort entdeckt wurde. Man wird den Vogel wohl nächstens in Floßseeschwalbe umbenennen müssen. Die Uferschwalbenwand am Nordwestufer des Sees wartet dagegen noch auf brütende Gäste. „Aber“, meint Biologe Gaus, „die Zeit der Uferschwalben bricht gerade erst an“. Er wird es bemerken, wenn die ersten angekommen sind.

Vom Obergeschoss der GAU-Geschäftsstelle im alten Gerlenhofer Bahnhof hat er per Spektiv den direkten Beobachterblick auf die Sandwand. Und auch das Kirchendach von Finningen hat er im Visier, wo noch immer das neu installierte Storchennest auf Zuzug wartet. Derweil ist unterm Dach der Geschäftsstelle der Turmfalke eingezogen und bebrütet sechs Eier. Auch in der Scheune des Riedwirtshauses, halbwegs zwischen Schwaighofen und Reutti gelegen, herrscht wieder Familienleben. Die Schleiereule hat neun Eier gelegt, aus denen die ersten Jungen geschlüpft sind. Der Turmfalke nebenan hat sieben Eier im Nest.

Das Geschehen in der Schleiereulenwohnstube wird wie im Vorjahr wieder per Kamera in den Biergarten übertragen. Auch von der GAU-Geschäftsstelle her kann der Turmfalkenfamilie über eine Funkfarbkamera ins Nest geschaut werden. Der Besuch lohne aber erst, meint Gaus, wenn der Nachwuchs da ist. Momentan wird erst mal nur gebrütet.


Weiterführende Literatur: Projekt Plessenteich

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